Sondereinheit Einsatzkommando Cobra/Direktion für Spezialeinheiten (DSE)

Entschärfungsdienst

In Österreich gibt es im Bereich des staatlichen bzw. hoheitlichen Entschärfungswesens drei Organisationseinheiten:

  • Der Entschärfungsdienst (ESD) des Bundesministeriums für Inneres (BMI), seit Juni 2013 beim Einsatzkommando Cobra/Direktion für Spezialeinheiten angesiedelt, ist zuständig für „modernere“ Sprengvorrichtungen.
  • Der ESD wird auch bei sprengkräftigen Kriegsrelikten angefordert, die in Zusammenhang mit strafrechtlichen Delikten stehen.  
  • Der Entminungsdienst (EMD) im Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport (BMLVS) ist als Kampfmittelräumdienst für Kriegsrelikte aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg zuständig, beispielsweise für Fliegerbomben, Granaten oder ähnlich sprengkräftiger Munition.
  • Die Entschärfer-, EOD- und Pioniereinheiten des Bundesheeres sind im Bereich des Bundesheeres zuständig, beispielsweise bei Funden auf Truppenübungsplätzen oder Auslandsmissionen des Bundesheeres.

Auch private Unternehmen suchen und legen sprengkräftige Munition aus den Weltkriegen frei. Diese gewerblichen Kampfmittelräumdienste werden  für Auftraggeber in der Privatwirtschaft tätig und leisten Vorarbeiten für den  Entminungsdienst des BMLVS. Private Unternehmen dürfen keine Entschärfungs- oder Vernichtungshandlungen vornehmen, diese sind einzig dem Entminungsdienst vorbehalten.

Presseinformation Pyrotechnik 2016 (615,6 KB) 

zurück zur Übersicht


Aufgaben des Entschärfungsdienstes

  • Erkennen, Untersuchen und Entschärfen von Sprengvorrichtungen, auch unter Wasser;
  • Erstellen von fachtechnischen Beurteilungen;
  • Wiederherstellen der Tatortsicherheit nach Anschlägen und Unfällen mit Sprengstoffen oder pyrotechnischen Erzeugnissen;
  • Mitwirken an der Aufarbeitung des Tatortes (Unterstützung der Tatortgruppe);
  • Erstüberprüfen nach Explosion, ob diese auf die Umsetzung von Explosivstoffen zurückzuführen ist;
  • Transport, Lagerung und Vernichtung von Tatmitteln und Tatmittelteilen, Sprengmitteln, Zündmitteln, Explosivstoffen und pyrotechnischen Erzeugnissen;
  • Präventivtätigkeiten, insbesondere in Zusammenhang mit Sonderschutzmaßnahmen, Staatsbesuchen und bei Großveranstaltungen zur Gefahrenabwehr im Sprengstoffbereich;
  • Koordination dieser Maßnahmen in Zusammenwirken mit den Sprengstoffsachkundigen (SKO), den Sprengstoffhundeführern und Einsatztauchern;
  • Auswertung und Bekanntgabe von Informationen aus dem In- und Ausland, beispielsweise über Sprengstoffanschläge oder aufgetretene Sprengkörper;
  • Mitwirken am EEODN (European Explosive Ordnance Network);
  • Durchführen von Schulungen;
  • Identifizieren, Entschärfen und Beurteilen von militärisch sprengkräftiger Munition, die in Zusammenhang mit strafbaren Handlungen steht, sowie sprengkräftiger Kriegsrelikte aus beiden Weltkriegen, die in Zusammenhang mit strafrechtlichen Delikten stehen. Im Rahmen der Amtshilfe bedient sich der  ESD dazu gegebenenfalls des EMD des Bundesheeres.

zurück zur Übersicht


Sprengstoffsachkundige (SKO)

SKOs sind Polizeibeamtinnen und -beamte der Polizei. Sie werden nach einem Bewerbungs- und Auswahlverfahren vom Entschärfungsdienst des Innenministeriums in einer zwölfwöchigen Grundausbildung zu Sprengstoffexperten ausgebildet.  SKOs werden bei Polizeieinsätzen angefordert, bei denen ein Zusammenhang mit den Aufgaben des ESD besteht. Sie unterstützen Polizistinnen und Polizisten und klären die Lage für einen möglichen Einsatz des ESD-Einsatzteams. SKOs stehen österreichweit rund um die Uhr zur Verfügung. Sie sind mit einer Splitterschutzausrüstung und persönlichem Handwerkzeug ausgerüstet. In jedem Bundesland steht auch ein mobiles Röntgengerät für den Einsatz bereit.

SKOs haben die gleichen Aufgaben wie Entschärfer. Entschärfungshandlungen bzw. die Behandlung von Explosivstoffen von sprengkräftiger Munition und unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen sind aber ausschließlich den Entschärfern vorbehalten. SKOs unterstützen auch den Entminungsdienst des Bundesheeres als schnelle Voraufklärung bei Munitionsfunden, etwa bei Bauarbeiten.

Sprengstoffspürhundeführer sind wie SKO in den Bundesländern organisiert und werden nur gemeinsam mit Entschärfern oder einem SKO eingesetzt. Sie werden bei folgenden Bedarfsfällen herangezogen:

  • Hausdurchsuchungen;
  • Grenzkontrollen, beispielsweise auf Flughäfen;
  • Depot- und Waffensuchen sowie
  • im präventiven Bereich bei Staatsbesuchen oder Großveranstaltungen.

zurück zur Übersicht


Bomben und Explosivstoffe verzeihen keinen Fehler

Explosivstoffhältige, sprengstoffverdächtige Gegenstände oder Behältnisse sowie Kriegsrelikte dürfen nicht berührt, abgedeckt, geöffnet, verlagert, manipuliert oder belastet werden. Werden folgende Gegenstände aufgefunden, ist unverzüglich der Polizeinotruf 133 oder die nächste Sicherheitsdienststelle zu verständigen:

  • Spreng- und Zündmittel, unabhängig vom äußeren Zustand;
  • unbekannte feste, flüssige, pulver- oder gelförmige Substanzen;
  • unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen (Sprengsätze bzw. „Bomben“);
  • verdächtige Postsendungen (Brief- und Paketbomben, verdächtige oder hinterlegte Botenstücke);
  • sprengkräftige Munition wie (Hand-)Granaten, Minen, Fliegerbomben, offenkundiges Kriegsmaterial oder Kriegsrelikte;
  • herrenlose Gepäckstücke an exponierten Plätzen.

Lassen Sie die räumlichen Umgebungsbedingungen (z.B. Licht, Fenster) nach dem Auffinden unverändert. Halten Sie einen solchen Sicherheitsabstand ein, dass Sie den verdächtigen Gegenstand nicht mehr sehen können. Sorgen Sie nach Möglichkeit dafür, dass andere Menschen keinen Zugang oder Zugriff zum verdächtigen Gegenstand haben und halten Sie sich für die erst eintreffenden Polizeikräfte zur Verfügung.

zurück zur Übersicht


Geschichtliche Entwicklung 

Kampfmittelräumeinheiten wurden  nach dem Zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen und im Bundesministerium für Inneres eingerichtet, weil es damals noch kein Bundesheer gab. Es entwickelte sich der Entminungsdienst des Innenministeriums, der mit Jänner 2013 im Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport (BMLVS) eingegliedert wurde.

Der Beginn des Entschärfungswesens im Innenministerium in den 1960er-Jahren ist untrennbar mit Oberst Ing. Alois Massak (1922–1984) verbunden, der damals als Amtssachverständige des BMI für Waffen- und Schießwesen fungierte und Österreichs erster Sprengstoffexperte bzw. „Entschärfer“ war. Ende der 1960er-Jahre bildete Massak erste Polizisten aus den Bundesländern zu sogenannten „Sachkundigen Organen im Erkennen und Behandeln von sprengstoffverdächtigen Gegenständen (SKO)“ aus, da dies mit der Aufarbeitung von Anschlägen in Südtirol und beginnenden internationalen Terroranschlägen notwendig geworden war. Die neuen SKOs unterstützten Massak und traten als sein „verlängerter Arm“ in den Bundesländern auf. In den 1980er-Jahren wählte Massak Mitarbeiter aus, die als sogenannte „Entschärfer“ das „Dokumentationszentrum für Sprengstoffanschläge (Dokuz)“ in der Roßauer Kaserne einrichteten und für Entschärfungen zuständig waren. Wien war damals Ziel internationaler Terroranschläge, beispielweise die Sprengstoffanschläge auf die Synagoge in der Seitenstättengasse und die Türkische Botschaft in Wien und den ELAL-Schalter am Flughafen Wien-Schwechat. Neben der personellen Aufstockung wurden die SKOs erstmals auch regelmäßig weitergebildet.

1989 wurde die Dienststelle in „Entschärfungsdienst“ umbenannt. Sie bestand aus vier Entschärfern und wurde mit dem Entminungsdienst (EMD) zur BMI-Abteilung II/17 zusammengelegt.

Mit Beginn der Briefbombenserie von Franz Fuchs im Jahr 1993 wurde begonnen, den ESD und dessen Vorfeldorganisation der SKO personell aufzustocken und besser auszurüsten. In Kärnten wurde eine mit Entschärfern permanent besetzte ESD-Außenstelle eingerichtet (die 2010 wieder geschlossen wurde).

Mit Gründung des Bundeskriminalamtes (BK) im Jahr 2002 wurden ESD und EMD in der Abteilung 6 als Büro 6.3 eingegliedert. 2006 wurde eine zweite ESD-Außenstelle in Hall in Tirol mit einem permanenten Einsatzteam von zwei Entschärfern eingerichtet, mit 1. Jänner 2013 wurde der EMD vom BMI zum BMLVS absystemisiert und letztlich wurde der ESD mit Juni 2013 vom BK zur EKO Cobra/DSE übergeleitet. Der Personalstand des ESD beträgt derzeit 18 Entschärfer.

zurück zur Übersicht


BMI Bundesministerium für Inneres, 1010 Wien, Telefon: +43-1-53126Kontakt