Polizeikarriere

Über die Jagd nach Tatortspuren in der unsichtbaren Welt

»Man kann eine Tat noch so gut planen, es wird immer ein Transfer an Mikrospuren erfolgen«, sagt Dr. Michael Kozlik, Kriminaltechniker im Bundeskriminalamt. Und begibt sich in der aufregend-spektakulären Welt unter dem Mikroskop auf die Jagd nach Tatortspuren. Bilder in der Slide-Show unten.

»Bei jeder Tat findet ein Transfer an Mikrospuren wie DNA, Textilfasern oder Haaren zwischen Täter, Opfer und Tatort statt. Die Aufgabe der Tatortarbeit ist es, diese Spuren zu finden und zu sichern, die Aufgabe der Kriminaltechnik ist es, sie wissenschaftlich auszuwerten«, sagt er. »So werden Sachbeweise generiert, die einen Zusammenhang zwischen Täter und Opfer schaffen. Selbst kleinste Spuren können wir mikroskopisch untersuchen.«

Er komme von der akademischen Seite, sagt er, habe keine polizeiliche Vorbildung. Studierte Geowissenschaften an der Universität Innsbruck, mit der Spezialisierung in Mineralogie. Vier Jahre lang arbeitete er an der Montanuniversität Leoben, verfasste seine Promotion im Bereich Rohstoffmineralogie. »Das war der Grund, warum ich 2016 im Bundeskriminalamt gelandet bin, weil auch mineralogische Untersuchungen in das Referat für Biologie und Mikroskopie fallen, und die Kriminaltechnik im Bundeskriminalamt ihre Kompetenzen im Bereich der Geologie und Mineralogie ausbauen wollte«, sagt Dr. Michael Kozlik, Leiter des Referats 6.2.4 (Biologie und Mikroskopie) im Bundeskriminalamt.

Textilfaseruntersuchungen

Im Referat »Biologie und Mikroskopie« sind fünf Mitarbeiter spezialisiert auf Textil- und Faseruntersuchungen, die Untersuchung von Schmauchpartikeln sowie mineralogische und sonstige biologische Untersuchungen. »Textilfasern werden vor allem bei schweren Gewaltdelikten wie Mord, Raub oder Vergewaltigungen untersucht, wo es zu einem physischen Kontakt zwischen Täter und Opfer gekommen ist. Aber auch bei Verkehrsunfällen können Textilfasern den entscheidenden Hinweis liefern«, sagt Kozlik.

»Am Tatort werden von den Tatortbeamten Faserspuren mit einem Polizeisicherungsband oder einer Pinzette gesichert und zur Untersuchung ins Labor geschickt – dieses wird von uns mikroskopisch durchmustert«, sagt Kozlik. »Wenn ich weiß, dass der Täter zum Tatzeitpunkt eine bestimmte Weste mit roten Fasern getragen hat, suche ich nach solchen Fasern, präpariere sie heraus.« Das bedeute, die Fasern werden auf einen kleinen Glasobjektträger gebettet und unter dem Hochleistungsmikroskop bei etwa 400-facher Vergrößerung angesehen. »Ich kann Eigenschaften der Faser bestimmen wie Mattierungsgrad, Querschnitt, Durchmesser oder eventuelle Auflagerungen. Ich kann die Faser bei polarisiertem Licht betrachten, kann mir die Fluoreszenzeigenschaften ansehen und den Farbstoff spektroskopisch messen.«

Textilbildvergleiche

»Werden beispielsweise bei einem Raubüberfall auf eine Tankstelle Fotos von einer Überwachungskamera gemacht, wo man das Gesicht nicht deutlich erkennen kann, können wir die Kleidung eines Verdächtigen, der festgenommen worden ist, mit den Bildern aus der Kamera vergleichen, und daraus Rückschlüsse ziehen, ob der Verdächtige für die Tat in Frage kommt«, sagt Kozlik. Jeder Mensch habe einen anderen Körperbau, einen anderen Gang, und damit charakteristische Falten in der Kleidung. Je länger ein Anorak getragen werde, desto eindeutiger seien die Falten, die sich in dem Textil abbilden. Ein Riss sei immer charakteristisch, man werde kein Kleidungsstück mit demselben Riss finden, oder eine Verunreinigung, einen Aufnäher, sagt der Biologe.

Schmauchpartikeluntersuchungen

»Wird eine Schusswaffe abgefeuert, werden durch die Umsetzung der Munition Schmauchpartikel an den Händen und der Kleidung des Schützen abgelagert«, sagt der Biologe. »Wir sehen uns diese Schmauchpartikel unter einem Rasterelektronenmikroskop an und können dann bei ca. 10.000-facher Vergrößerung die Morphologie und die chemische Zusammensetzung des nur wenige Tausendstelmillimeter kleinen Partikels bestimmen. Durch den Nachweis von Schmauchpartikeln an den Händen eines Verdächtigen können wir dann eine Aussage darüber treffen, ob dieser kürzlich eine Schusswaffe abgefeuert, beziehungsweise mit einer hantiert hat.«

Wird manchmal auch an Tatorten ermittelt?

Ein Großteil der Akte komme entweder von den Tatortgruppen, die die Spuren am Tatort sichern, oder wenn eine Untersuchung von der Staatsanwaltschaft angeordnet werde. »Ich kann mich an einen Fall erinnern, wo ein Kollege in einem Haus eines Verdächtigen Faserspuren sichern musste, weil am Tatort kaum verwertbare Spuren gesichert werden konnten. Da war das Spezialwissen von uns erforderlich. Der Kollege hat dann beim Flusensieb des Wäschetrockners und in der Wachmaschine Spuren gesichert. Aber das ist eher die Ausnahme. Da sind Kollegen von anderen Fachbereichen wesentlich öfter an Tatorten, etwa die Brandursachenermittler.«

Kriminaltechnik im Bundeskriminalamt

Das Referat »Biologie und Mikroskopie« gehört wie die Bereiche »Chemie«, »Physik«, sowie »Urkunden und Handschriften-Untersuchungen« zum Büro 6.2 (Kriminaltechnik) im Bundeskriminalamt. In der Kriminaltechnik arbeiten insgesamt 58 Expertinnen und Experten. Über 37.000 Analysen wurden 2017 durchgeführt. Beispielsweise wurden knapp 6.000 Suchtmittel untersucht, 390 Schusswaffen, mehr als 1.500 Urkunden, knapp 2.400 Fasern in knapp 30 Fällen und 96 Brände. Ein Jahr zuvor waren es noch 32.000 Analysen.

Von Reinhard Leprich, BMI I/5-Onlineredaktion

Links:

Beim Sichern von Faserspuren ist äußerste Sorgfalt notwendig.
Foto: ©  BMI/Gerd Pachauer

Artikel Nr: 15684 vom Montag, 19. März 2018, 10:14 Uhr
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