Innenministerium

Luxus-Gefährt für "Angaser"? Oder Hingucker?

Ein "X-Bow" ist weltweit das erste KTM-Polizeifahrzeug. Ziel am Salzburgring ist herauszufinden, wie Menschen auf das Auto reagieren. Danach steht fest: Es ist ein mutiger Brückenschlag zur Rekrutierung. Die Kampagne wird zeigen, ob er gelingt.

Manche belächelten das Vorhaben, als erste Gerüchte die Runde machten: Ein Auto ohne Dach? In das man durch Seitenscheiben einsteigt, die eigentlich Türen sind? Bei dem man das Lenkrad abnimmt, um einigermaßen mühelos ins "Cockpit" schlüpfen zu können? Das alles und noch viel mehr hörte sich ziemlich abenteuerlich an. Auch für mich. Ein Brückenschlag zur Rekrutierung? Eher ein Trampelpfad! Dachte ich, und sah schon in Gedanken die kritischen Blicke der Menschen, der Polizistinnen und Polizisten, die meine Befürchtungen bekräftigen würden. Wie wird er aussehen, der KTM X-Bow, frage ich mich also am 21. Juli 2018 während der Fahrt nach Salzburg, wo ein Vertreter von KTM der Polizei symbolisch das Auto überreichen wird. Ich denke: Wie ein Luxus-Gefährt für Angaser. Andere sagen, auch Medienvertreter: Er ist jedenfalls ein Hingucker. Na gut, dann bin ich mal gespannt.

Lange muss ich nicht warten, "ihn" erstmals "in natura" zu sehen. Schon als ich am Salzburgring eintreffe, im sogenannten Nesslgraben zwischen Koppl und Plainfeld, sehe ich ihn. Es findet ein Fotoshooting statt. Der X-Bow steht am riesigen Parkplatz, allein auf weiter Flur. Fotografen bemühen sich um Fotos vom weltweit ersten KTM-Polizeifahrzeug. Sie zeigen sich beeindruckt, und ganz ehrlich, ich bin es auch. In dezentes Rosa-blau gekleidet steht er da, polizeigebrandet, dazu zwei krachend rote Seitenspiegel. Das Blaulicht an Heckflügel und Kühlergrill eingeschaltet, um auf sich aufmerksam zu machen. Als hätte er es nötig. Kein "Google-Foto" kann annähernd erzählen, wie das Auto in der Realität aussieht, denke ich.

Rennfahrer kommen näher, um sich den "X-Bow" anzusehen. Ein Fahrerlager ist in zweihundert Metern Entfernung am Rand des Parkplatzes errichtet. Es findet die "X-Bow Battle" statt, eine Rennserie auf Club-Sport-Niveau. "Constantin Schöll", sagt einer der Beiden. "Ich finde es unglaublich und extrem cool, dass die Polizei mit so einem Auto Werbung macht", sagt er. "Das ist sehr attraktiv und spricht speziell junge Menschen an. Und! Es lässt sich extrem gut fahren damit." Der 19-jährige Wiener geht bei der "Rookies-Challange" an den Start. Er fährt "Kart", seit seinem zehnten Lebensjahr, erzählt er, "den Herausforderungen bei der X-Bow Battle stelle ich mich seit einem Jahr." Im Schlepptau des jungen Rennfahrers, Christian Schöll, der Vater. "Diese neue, offene Herangehensweise der Polizei beim Rekrutieren finde ich richtig toll", sagt er. Gustavo Xavier, ein 21-jähriger Rennfahrer aus der Schweiz, fährt ebenfalls seit einem Jahr bei der X-Bow Battle mit. "Dieses Auto erregt auf jeden Fall große Aufmerksamkeit beim Rekrutieren", sagt er und deutet auf das KTM-Polizeifahrzeug. "Es erinnert mich ein bisschen an die Polizei in Dubai, die mit Lamborghinis oder Bugattis im Streifendienst unterwegs sind." Da ist er, der Vergleich, weswegen diese neue Art der Rekrutierung von Kritikern skeptisch gesehen wird: Ein KTM X-Bow für den Streifendienst? "Genau da setzen wir an beim Rekrutieren", sagt Mag. Alexander Marakovits, Leiter der Abteilung Kommunikation im Innenministerium. "Weder der X-Bow noch die Mercedes G-Klasse werden als Streifenkraftwagen im normalen Dienstbetrieb verwendet, sie dienen ja einzig als Rekrutierungs-Instrumente – und genau das sagen wir auch den jungen Leuten, die sich für den Polizei-Beruf interessieren, um keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen." Man müsse unterscheiden zwischen den Aufgaben der Öffentlichkeitsarbeit und jenen der Polizistinnen und Polizisten auf der Straße, ergänzt der Abteilungsleiter. "Die Aufgabe der Öffentlichkeitsarbeit ist es unter anderem, für die Marke 'Polizei' eine positive Aufmerksamkeit zu erreichen."

Matthias Walkner: Lässiges Fabrikat

Genau dieser Eindruck interessiert mich, weshalb ich mich auf die Suche nach weiteren Gesprächspartnern mache. Matthias Walkner schrieb bei der berühmtesten Rallye der Welt, der Rallye Dakar 2018, österreichische Sportgeschichte. Der Salzburger gewann als erster Österreicher die Motorrad-Wertung. Am 21. Juli 2018 ist er nicht nur Stargast am Salzburgring, er fährt auch bei einem der Rennen mit. "Es ist super, dass die Polizei einen X-Bow fürs Rekrutieren zur Verfügung gestellt bekommen hat", sagt er. "Das ist ein lässiges Fabrikat und schaut richtig geil aus." Apropos Rennen! Wo Rennen gefahren werden, muss auch ein Renndirektor anzutreffen sein. Ich finde ihn in Gottfried Mannsberger, einem Polizisten der Landesleitzentrale Wien. "Ich arbeite seit 1988 im Innenressort, und bin seit 2017 Renndirektor bei der KTM X-Bow Battle", sagt er. "Davor war ich jahrelang Rennkommissar." Angesprochen auf das KTM-Polizeifahrzeug, sagt er. "Das Auto kostet nichts und fällt somit dem Steuerzahler nicht zur Last – das ist wichtig", sagt er. "Ich hoffe, dass es beim Rekrutieren hilft."

Manfred Wolf, PR- & Marketing-Manager bei der KTM Sportcar GmbH, ist zuständig für Customer Racing. "Das Auto, ein spezielles Nischenprodukt im Leichtgewichts-Sportwagen-Segment, wird in Graz in Handarbeit produziert", erklärt er, und ergänzt, dass etwa 100 Stück im Jahr für den weltweiten Markt produziert würden. "Modernes Rekrutieren ist heute extrem wichtig - jedes erfolgreiche Unternehmen im privaten Bereich macht das. Man möchte den Beruf attraktiv machen, die besten Bewerber bekommen, und dafür ist der X-Bow bestens geeignet", sagt er. Maximillian Auböck, ein Zuseher des Rennens aus Linz sagt, es sei positiv, dass die Polizei ein so "cooles Auto" zum Rekrutieren zur Verfügung habe. Werner Gröbl ist ein Unternehmer aus Graz. Er belegte den 2. Platz im Sprintbewerb und den dritten Platz auf der Langstrecke. Er sagt: "Was ich hier am Salzburgring gesehen habe, finde ich spitze. Mir taugt das, das die Polizei endlich etwas fürs Image und fürs Rekrutieren macht. Wir brauchen die Elite bei der Polizei, deswegen braucht es auch so eine moderne Art der Rekrutierung."

Zwischen den Rennen wird der Sportwagen von Mag. Hubert Trunkenpolz, Vorstand der KTM-AG, an Mag. Peter Goldgruber, Generalsekretär im Innenministerium, übergeben. "Wir sind sehr stolz, der Exekutive ein Auto für Rekrutierungsmaßnahmen zur Verfügung stellen zu dürfen", sagt Trunkenpolz. "Dieser neue Trend in der Rekrutierung ist effizient und der Zielgruppe entsprechend. Sie rückt die Polizei in ein neues Licht, besonders bei jungen Menschen. Wir brauchen jungen Nachwuchs bei der Polizei, und ich hoffe, dass die Polizei dabei so schnell ist wie wir mit unseren Autos." Die Zusammenarbeit mit heimischen Marken sei dem Innenministerium ein besonderes Anliegen und zeige einmal mehr, dass österreichische Unternehmen revolutionär denken, sagt der Generalsekretär. "Einen ähnlich revolutionären Weg wollen wir auch in den Bereichen Marketing und Rekrutierung einschlagen, um die Besten der Besten auf den Polizeiberuf aufmerksam zu machen."

Nun, wer wird mit dem X-Bow fahren?

Goldgruber ließ es sich nicht nehmen, die ersten Kilometer mit dem "X-Bow" zurückzulegen. Nämlich genau zwei Schleifen auf dem Salzburgring. "Wir sind froh über jede Unterstützung, und ein Auto wie dieses bringt zum Ausdruck, was wir brauchen: junge, moderne Polizistinnen und Polizisten, die rasch vor Ort sind, wenn es notwendig ist", sagt er. "Das Auto ist mit Bedacht zu bedienen, es gibt keine elektrische Unterstützung, und man ist gefordert, mitzudenken und Verantwortung zu übernehmen. Das alles braucht man auch im Polizeiberuf." Und wie lässt sich ein Auto mit knapp 300 PS und etwa 900 Kilo fahren? "Es ist ein gutes Gefühl, mit dem Auto zu fahren. Man spürt, dass man mit dem Asphalt der Straße verbunden ist. Man spürt aber auch die Verantwortung, die nötig ist, das Auto zu lenken." Werden Polizistinnen oder Polizisten mit dem Auto fahren? "Auch viele Polizistinnen und Polizisten werden die Möglichkeit bekommen, mit diesem Fahrzeug ihr fahrerisches Können unter Beweis zu stellen", sagt dazu Alexander Marakovits. "Es bedarf dazu aber einer speziellen Einweisung."

Luxus-Gefährt und Hingucker

Der in Österreich gefertigte Sportwagen wird bei Events der Kampagne bundesweit zum Einsatz kommen und die Aufmerksamkeit junger Bewerberinnen und Bewerber auf sich ziehen. Ganz bestimmt. Er ist zugleich Luxus-Gefährt und "Hingucker", und macht Menschen aufmerksam auf die Marke "Polizei". Das soll er. Denn im Bereich "Rekrutierung" gibt es eine Menge zu tun. Bis 2019 werden 2.000 neue Ausbildungsstellen und 2.100 zusätzliche Planstellen bei der Polizei geschaffen. Und dafür braucht man geeignetes Personal.

Von Reinhard Leprich, BMI I/5-Onlineredaktion

Links:

Matthias Walkner schrieb als Sieger bei der berühmtesten Rallye der Welt, der Rallye Dakar 2018, österreichische Sportgeschichte.
Foto: ©  BMI/Eugénie Sophie Berger

Artikel Nr: 16102 vom Donnerstag, 26. Juli 2018, 11:58 Uhr
Reaktionen bitte an die Redaktion

Zurück

Presse und Medien

Mittwoch, 22. August 2018
Tirol

Freitag, 24. August 2018
Tirol

Mittwoch, 29. August 2018
Salzburg

Donnerstag, 30. August 2018
Tirol

Freitag, 7. September 2018
Tirol

zu den Terminen