Rekrutierung

Ein Mercedes-Benz G-Klasse als "Rekrutierungs-Instrument". Ist das tauglich?

Niki Lauda und Toto Wolff überreichten an Innenminister Herbert Kickl am 1. Juli 2018 einen Mercedes-Benz G 500 für Rekrutierungsmaßnahmen. Ob das Auto dafür tauglich ist, soll beim Start der 70. Österreich Rundfahrt herausgefunden werden.

Leider ist Rekrutierung nicht mehr so einfach wie früher, als man sich durch Säcke voller Bewerbungen wühlen und die besten Bewerber aussuchen konnte. Mancher hätte das heute noch gerne. So bleibt nur eines: Talente zu finden und anzustellen, verlangt neue, moderne Lösungen, innovative Ideen. Und zwar sofort. Also: wie gewinnt man junge, sportliche und motivierte Polizistinnen und Polizisten? Und wo? Nun! Beim Start der 70. Österreich Rundfahrt am Monfortplatz in Feldkirch in Vorarlberg am 7. Juli 2018 soll herausgefunden werden, ob sich das neue "Rekrutierungs-Instrument", ein zur Verfügung gestellter Mercedes-Benz der G-Klasse (G steht für Geländewagen), als dafür tauglich erweist.

70 Jahre Österreich-Tour bedeuten nicht nur 9 Etappenorte, knapp 1.200 Kilometer, mehr als 23.000 Höhenmeter. Das bedeutet auch, dass 2018 vier "polizei-gebrandete" Begleitfahrzeuge die Radfahrer begleiten, und dass im Start- und Zielbereich von einem Moderator über Lautsprecher der "vielfältige und herausfordernde Polizeiberuf" beworben wird: "Wenn auch Du Interesse hast, dann bewirb Dich über www.polizeikarriere.com und lebe Deinen Traum von einer sportlichen Karriere". Franz Steinberger, seit 2017 Tour-Chef der Österreich Rundfahrt, sagt, es sei gut, dass das Innenministerium den offensiven Weg der Rekrutierung eingeschlagen habe. "Das Image wird energiereich und dynamisch vermittelt", sagt der ehemalige Polizist, der von 1979 bis 1989 unter anderem bei der Verkehrsabteilung in Wien gearbeitet hat. "Es erreicht damit eine andere Wertigkeit innerhalb der Gesellschaft. Und mit dem polizei-gebrandeten Mercedes wird auf die Marke Polizei aufmerksam gemacht." Mit der Kooperation, die man mit dem Innenministerium eingegangen sei, könne man die Marke Polizei national und international bewerben, ergänzt er. Etwa mit den regelmäßigen Moderationen, mit denen man während der Tour bis zu 250.000 Zuseher erreichen werde.

Wie denken die Menschen über die Rekrutierungsmaßnahmen der Polizei?

Kontrollinspektor Wolfgang Hart hilft mit beim Rekrutieren. "Es ist das zweite Mal, dass ich bei Rekrutierungs-Maßnahmen des Innenministeriums unterstütze, nach einer Veranstaltung im Messepark Dornbirn vor einem Monat", sagt er, der von der Landesverkehrsabteilung Vorarlberg der Personalabteilung in Bregenz dienstzugeteilt ist. "Ich habe mich freiwillig gemeldet, weil ich das gut finde, dass man auf diese Weise junge Menschen auf den Polizeiberuf aufmerksam macht." Oberstleutnant Rainer Fitz, Leiter der Öffentlichkeitsabteilung in Vorarlberg, ist dankbar für die Rekrutierungs-Aktivitäten des Innenministeriums. "Weil es für Vorarlberg sehr wichtig und schwierig ist, geeignetes Personal zu finden", sagt er. Zwei ältere Herren kommen zum Rekrutierungsstand, "antiquarisch" eingekleidet, einer ein altes Polizeifahrrad an der Hand. Als Peter Paul Eisele aus dem Oberallgäu in Bayern stellt er sich vor. Jürgen Weber vom Bodensee, sagt der andere. Beide seien vom Verein "Historische Fahrräder" aus Deutschland. "Es hat einem Polizeiobermeister namens Geiring gehört, der in Riedlingen im Kreis Biberach in den 50er-Jahren Dienst gemacht hat", sagt Eisele auf das Polizei-Fahrrad deutend. Was hält er von Polizei-Rekrutierung? "Ja, das ist notwendig, dass die Polizei hier vertreten ist, und es ist auch sehr öffentlichkeitswirksam", sagt Eisele. "Das muss sein und gehört dazu", unterstreicht Weber.

Vier polizei-gebrandete Begleitfahrzeuge begleiten die Radrennfahrer auf der Strecke. Ein Fahrer heißt Hans Enzi. Er ist aus Völkermarkt, seit 35 Jahren im Radsport tätig und aktuell Finanzreferent des österreichischen Radsportverbands. "Eine bessere Werbeplattform für Polizei-Rekrutierung als diese Tour gibt es kaum", sagt er. "Man ist acht Tage lang unterwegs, wird national und international gesehen und erhält verdammt viel positive Werbung." Auch sein 19-jähriger Sohn werde nach dem Präsenzdienst zur Polizei gehen, ergänzt er. Welche Aufgabe hat er? "Wir passen auf, dass das Rennen nach den vorgegebenen Regeln stattfindet, was unter anderem bedeutet: kein Windschattenfahren, kein Anhängen an ein Betreuerauto."

Margarete Feichtner und Ursula Steinberger brachten die Betreuerfahrzeuge in der Woche vor dem Rennstart zum "Branden" und holten sie wieder ab. "Wir sind eine Woche lang mit den Autos gefahren, da erlebt man schon einiges", sagt Feichtner. "Man wird kaum überholt und auch die Geschwindigkeitsbeschränkungen werden eingehalten." Die Menschen hätten nur positiv darauf reagiert, sagt Steinberger. "Ich habe in dieser Woche mit vielen Menschen über die Polizei geredet. Alle haben diese Werbekampagne ‚cool‘ gefunden."

Fahren Polizisten mit so einem Mercedes auf Streife? Natürlich nicht!

Anja Puchegger kommt aus Oberndorf bei Melk in Niederösterreich. Die angehende Studentin besuchte schon in Kroatien mit 18 Jugendlichen ihrer Abschlussklasse den Rekrutierungsstand der Polizei. "Ich finde das super, dass man die jungen Menschen anspricht, sich für die Polizei zu interessieren. Junge Menschen brauchen einen Ansporn, denke ich, und da sind X-Jam und auch hier die Radrundfahrt gute Ansätze", sagt sie. Wie findet sie den Mercedes? "Natürlich weiß man, dass Streifenpolizisten nicht mit solchen Autos auf Streife fahren, aber das Auto ist sehr ansprechend und unterstützt die Kampagne." In der Rekrutierung müsse man heute generell auf neue Möglichkeiten setzen, wie auf diesen Mercedes als Werbe-Instrument, sagt auch Michael Nussbaumer, einer der Kommentatoren bei der Österreich Rundfahrt. Die Polizei sei wesentlicher Bestandteil der Tour. "Ohne sie wären Radrennen nicht möglich", ergänzt Nussbaumer. "Deshalb sind gut ausgebildete Polizistinnen und Polizisten wichtig, die sich gekonnt im Straßenverkehr bewegen können."

Christian Wachter, ein Zuseher der Radrundfahrt, findet die Kampagne "sehr positiv und wichtig", weil man damit alte Bilder aus den Köpfen der Menschen bringe, etwa Polizisten würden nur Strafen verteilen. "Der Mercedes macht aufmerksam und ist ein Aufmacher, der auch indirekt die Vielfältigkeit des Berufs zeigt", betont er. Edgar Mayer, ein ausgebildeter Polizist, der neun Jahre bei der Stadtpolizei in Feldkirch arbeitete, sagt, dass geänderte Zeiten auch ein moderneres Marketing benötige. "Der Mercedes ist ein Hingucker, zieht die Menschen an und animiert sie, sich mit dem Thema ‚Polizei‘ auseinanderzusetzen."


Wie könnte man besser Personal rekrutieren, als mit auffälligen Autos?

Ein junger Mann interessiert sich für den Mercedes. "Benjamin Berchtold", sagt er. "Seit Dezember 2017 bin ich Polizeischüler in der Sicherheitsakademie in Feldkirch." Es sei eine Messe in Dornbirn gewesen, wo er sich an einem Rekrutierungsstand der Polizei für den Beruf zu informieren begonnen habe, ergänzt er. "Ich habe mir die Polizeischule aber anders vorgestellt, im positiven Sinn, weil ich war überrascht darüber, wie breit das Spektrum an Wissen ist, das wir vermittelt bekommen. Damit habe ich nicht gerechnet." Die Rekrutierung finde er positiv, sagt der junge Polizeischüler, weil man versuche, der Jugend mit dieser modernen Art den Polizeiberuf schmackhaft zu machen. Und was sagt Bezirksinspektor Ernst Köninger von der Landesverkehrsabteilung Niederösterreich, der als Mitglied der "Krad-Staffel" mit insgesamt zwölf Motorrädern und zwei Kommandofahrzeugen die Radprofis neun Tage lang auf der Strecke begleitet? "Jeder weiß, dass die Polizei Personal braucht, und wie könnte man besser Personal rekrutieren, als mit auffälligen Autos wie damals mit dem Porsche und heute mit dem Mercedes. Ohne so eine Werbung geht das nicht, meiner Meinung nach."

Veraltetes Rekrutieren würde heute keine Menschenseele mehr ansprechen. Gabi Klammer, Geschäftsfrau vom Monfortplatz in Feldkirch, sagt: "Ich finde die Werbekampagne der Polizei echt cool und sehr bürgernah. Es ist die Idee, die die Hemmschwelle herausnimmt. Da steckt wirklich ein cooles Management dahinter." Und ja, gewonnen hat diese erste Etappe der Ö-Tour über 152 Kilometern der Slowene Matej Mohoric vom Team "Bahrain".

Von Reinhard Leprich, BMI I/5 Online-Redaktion

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Ein Mercedes-Benz G-Klasse als "Rekrutierungs-Instrument". Ist das tauglich?
Foto: ©  BMI/Reinhard Leprich

Artikel Nr: 16070 vom Dienstag, 10. Juli 2018, 15:18 Uhr
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