Interview

"Jeder Atemzug ist wichtig"

Der Polizist Julian Eberhard ist einer der schnellsten Läufer der Biathlonszene. Seine aktive Karriere begann 1999, heute ist er dreifacher Weltcup-Sieger und Gewinner einer WM-Bronzemedaille. Der Spitzensportler des Innenministeriums im Interview.

Julian Eberhard wurde 2014 in den Nationalkader des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) aufgenommen. Am 18. März 2016 holte er sich im russischen Chanty-Mansijsk seinen ersten Weltcupsieg. Mit einem weiteren Sieg im deutschen Oberhof sorgte er im WM-Winter 2017 für die erste Podestplatzierung eines österreichischen Biathleten. Am 18. Februar 2017 gewann er bei der Weltmeisterschaft in Hochfilzen in Österreich mit Simon Eder, Daniel Mesotitsch und Dominik Landertinger die Bronzemedaille in der Staffel. Im Interview erzählt der Spitzensportler und Polizist über die Faszination des Sports, den Erfolg und wie die Vorbereitung auf die neue Saison aussieht.

Julian Eberhard, was ist so faszinierend am Biathlon-Sport?

Eberhard: Es ist die Kombination aus den Disziplinen Skilanglauf und Schießen. Man muss für alle Situationen, die auf einen zukommen können, beispielsweise Regen, Schneefall oder Wind, ein geeignetes Rezept finden – vor allem beim Schießen. Da versucht man, seinen Schießablauf so stabil wie möglich zu machen – da ist jeder Atemzug besonders wichtig.

War 2017 die erfolgreichste Saison?

Eberhard: Ja, definitiv. Mir war es wichtig, nach meinem ersten Weltcupsieg 2016 noch etwas draufzulegen. Mit zwei Siegen in Oberhof in Deutschland und Pyeongchang in Südkorea ist mir das glücklicherweise gelungen. Dazu kam auch noch die Bronzemedaille bei der Heim-WM in Hochfilzen mit der Staffel.

Und auf eine lange und anstrengende Wintersaison folgen Erholung und Urlaub?

Eberhard: Das wäre schön. Nach einer Saison stehen viele Termine an, denen man während der Saison nicht nachgehen kann, dazu kommen Schießtests und weitere Trainings. Von Mitte April bis Anfang Mai kümmere ich mich darum, kleinere "Wehwehchen" auszukurieren und körperlich wieder fit zu werden. Weil am 1. Mai fängt das Training wieder an, und da muss man topfit sein.

Wie kann man sich die Vorbereitung auf die kommende Saison vorstellen?

Eberhard: Wir fangen um acht in der Früh mit dem Schießtraining in Hochfilzen an, dann folgt bis 12 Uhr das Lauftraining in der Loipe. Nach der Mittagspause trainieren wir weiter bis 19 Uhr, unter anderem in der Kraftkammer, danach fahren wir nach Hause. Am Abend stehen Trockentraining, Waffenpflege und Gymnastik am Programm – das alles von Montag bis Freitag. Da kommen viele Arbeitsstunden zusammen, aber die darf man nicht rechnen, weil man ja ein bestimmtes Ziel verfolgt.

Ein Tipp für deine uniformierten Kolleginnen und Kollegen bei der Polizei?

Eberhard: Es wäre vermessen, einen Tipp abzugeben, weil jede einzelne Kollegin und jeder einzelne Kollege tagtäglich einen so tollen Job macht – ich finde das sehr bewundernswert. Es wird noch eine große Aufgabe für mich, in diesen Alltag reinzukommen und jeden Tag dieselbe Leistung zu bringen.

Motivation ist wichtig, um Dinge zu verwirklichen, die vielleicht unmöglich erscheinen – für Polizistinnen und Polizisten ebenso wie für Spitzensportler. Wie motiviert sich Julian Eberhard für das Training?

Eberhard: Ganz wichtig ist es, immer ein Ziel vor Augen zu haben. Manche Aufgaben sind brutal hartnäckig, das hab ich bei mir am Schießstand gesehen, wo ich jahrelang gekämpft habe, besser zu werden. Wenn man da ein Ziel vor Augen hat, ist es viel leichter, sich immer wieder neu zu motivieren.

Was sind die Ziele für die kommende Saison?

Eberhard: Ich freue mich darauf, wenn es wieder losgeht. Vor allem freue ich mich auf die Winterspiele in Pyeongchang, wo ich einen meiner Weltcup-Siege feiern konnte. Natürlich darf ich nicht davon ausgehen, dass mir das bei den Olympischen Winterspielen wieder gelingen wird. Wichtig ist einfach, wieder in Topform dorthin zu fahren und meine Leistung zu bringen.

Interview: Alexander Marakovits
Text: Reinhard Leprich

Julian Eberhard: Polizist und Biathlet.
©  BMI/Gerd Pachauer
Julian Eberhard ist einer der schnellsten Läufer der Biathlonszene.
©  ÖSV/Erich Spiess

Artikel Nr: 15213 vom Donnerstag, 12. Oktober 2017, 10:51 Uhr
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