Öffentlichkeitsarbeit

Seminar am Bildschirm

"Polizei und Öffentlichkeitsarbeit" war das Thema des ersten Vortrags eines österreichischen Polizeiexperten bei einem "Webinar" der EU-Agentur "Cepol" am 1. Dezember 2017 – das ist ein online abgehaltenes Seminar. Fast 130 Polizei-Vertreter aus ganz Europa hörten aus ihren eigenen PCs den Vortrag des Ressortsprechers des österreichischen Innenministeriums Karl-Heinz Grundböck.

Karl-Heinz Grundböck, MA, Mediensprecher im Innenministerium, war am 1. Dezember 2017 als erster österreichischer Polizeiexperte Vortragender bei einem "Webinar" bei der Cepol, der Europäischen Polizeiakademie. Er saß vor einem Computer in Wien; und knapp 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer saßen vor ihren Computern in ganz Europa – von Lissabon bis Warschau und von Valletta bis Helsinki. Moderiert wurde der Online-Vortrag Grundböcks von Simona Ibba, Webinar-Administratorin in der Cepol-Zentrale in Budapest.

Das Thema des auf Englisch gehaltenen Vortrags von Karl-Heinz Grundböck war seine tägliche Arbeit: Polizei und Öffentlichkeitsarbeit – die Kooperation mit Medien in einer vielschichtigen Gesellschaft. Grundböck trat 1990 in die Gendarmerie ein, wurde leitender Exekutivbeamter und ist seit 2011 Ressortsprecher im Innenministerium. Er erhält täglich Dutzende Anfragen von Journalisten – telefonisch oder per E-Mail. Im Vorjahr wurde er zum dritten Mal zum besten Pressesprecher des Jahres in der Kategorie "Ministerien und Parteien" gewählt.

Web & Seminar

Bei dem "Webinar" – ein Kunstwort aus "Web" für Internet und "Seminar" – hatten die Teilnehmer und Grundböck die Powerpoint-Folien des österreichischen Ressortsprechers vor sich auf ihren Bildschirmen zu Hause in ihren Büros. Die Moderatorin Simona Ibba begrüßte die Teilnehmenden. Danach hielt Grundböck seinen Vortrag in ein Mikrofon, als würden die Zuhörerinnen und Zuhörer vor ihm sitzen. Wenn er eine Folie weiterklickte, schlug das Powerpoint-Programm der Zuhörer die neue Seite auf, die auch Grundböck vor sich sah.

"Es ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, ein Webinar zu halten", sagt Grundböck. "Man erhält während des Vortrags kein unmittelbares Feedback." Man blicke nicht in Gesichter und bekomme auch keine Fragen gestellt – zumindest vorerst. "Es kann sich also kein Dialog entwickeln." Für Grundböck ist die Situation nicht allzu neu: "Für mich ist es vergleichbar mit einem Radio-Interview."

Wahrheit und Wirklichkeit

Grundböck schlug beispielsweise eine Folie auf, die ein Foto des weihnachtlich geschmückten Grabens im ersten Wiener Bezirk zeigte. "What do you see here?", fragte er rhetorisch – und bot Antwortmöglichkeiten: "Sie sehen hier reine Romantik, Sie denken an Shopping, bedauern den Verlust religiöser Traditionen, Sie sehen in der Szene ein Terrorziel oder ein Arbeitsfeld für Taschendiebe." Grundböck spielte auf unterschiedliche "Wirklichkeiten" und "Wahrheiten" an. Sie würden von jedem Einzelnen für sich selbst konstruiert werden – und so verhalte es sich mit dem Verständnis von Sicherheit und dem Vertrauen in die eigene Sicherheit.

"Wenn ein Polizeisprecher über polizeiliches Geschehen spricht, dann ist das mehr als der Bericht über etwas, das passiert ist", sagte Grundböck zur Folie "Impact of Police Communication". "Die Kommunikation eines Polizeisprechers hat auf jeden Fall eine Wirkung – sie kann beruhigend oder alarmierend sein." Unter anderem habe sie eine Auswirkung auf die Wahrnehmung des Risikos, Opfer eines Verbrechens zu werden.

Fragen im Chat-Room

Insgesamt dauerte der Vortrag Grundböcks 45 Minuten. Danach übernahm die Moderatorin. Sie öffnete ein Fenster, in das die Zuhörerinnen und Zuhörer ihre Fragen schriftlich "posten" konnten – wie in einem Chat-Room. Ein Teilnehmer wollte beispielsweise wissen, wie sich nach Meinung Grundböcks eine positive Zukunftserwartung zur Kriminalität verhalte, ein anderer fragte, welche Strukturen die Polizei in Österreich für ihre Öffentlichkeitsarbeit habe. Ein nächster fragte nach dem Umgang der Polizei in Österreich mit Facebook, Twitter & Co, ein anderer wollte wissen, was Grundböck davon hält, eine Journalistin oder einen Journalisten als Mediensprecher anzustellen und nicht jemanden, der aus der Polizei selbst komme. "Ein Journalist hätte den Vorteil, die Medienwelt aus eigener Erfahrung zu kennen und entsprechende Kontakte zu haben", antwortete Grundböck. "Das eignet man sich aber auch als Polizistin oder Polizist sehr rasch an." Wichtiger sei es, die Polizei als Organisation von der Innensicht her erfahren und erlebt zu haben. Es sei auch eine Frage der Identifizierung mit der eigenen Organisation. Daher sprach sich Grundböck eher für einen Polizisten als Polizeisprecher aus und nicht für einen Journalisten.

Der Frage-Antwort-Dialog, den alle Teilnehmer live verfolgen konnten, dauerte etwa eine halbe Stunde. Die Veranstaltung war nach insgesamt rund 90 Minuten zu Ende.

Vorsitz im Verwaltungsrat

"Cepol bietet knapp 60 solcher Webinars pro Jahr an", sagt Gerhard Haberler, BA, von der Sicherheitsakademie (SIAK) des Innenministeriums Er ist für das nationale Cepol-Büro innerhalb der SIAK verantwortlich. Die Webinars verzeichnen zwischen 20 und 200 Zuhörerinnen und Zuhörer. "Die große Zahl an Teilnehmern und die Ortsungebundenheit sind die großen Vorteile dieser Form der Aus- oder Weiterbildung." Theoretisch können bis zu 1.000 Teilnehmer ein Webinar "besuchen".

Die Cepol ist eine EU-Einrichtung mit Agentur-Status. Sie bietet jährlich neunzig bis hundert Seminare in herkömmlicher Form an, bis zu 400 Online-Learning-Module und seit einiger Zeit auch Webinars. SIAK-Direktor Dr. Norbert Leitner ist seit Sommer 2017 Vorsitzender im Verwaltungsrat der Cepol.

Karl-Heinz Grundböck war erster Vortragender beim Cepol-"Webinar".
©  fra

Artikel Nr: 15359 vom Montag, 04. Dezember 2017, 11:50 Uhr
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