Interview

Überleben! Zwölf Stunden! Zehn Stunden!

Mag. Paul Marouschek ist Abteilungsleiter im Bundeskriminalamt – und mehrfacher österreichischer Meister in der Altersklasse M50/55 im Triathlon. Ein Interview über den unbedingten Willen, die magischen Grenzen im Triathlon sprengen zu wollen.

Um halb sieben Uhr in der Früh Schwimmtraining in der Wiener Stadthalle, um acht ins Büro ins Bundeskriminalamt, am Abend eine rasche Besprechung mit dem Trainer, danach Schwimmtraining im Tullner Hallenbad. Ein typischer Dienstag im Leben von Mag. Paul Marouschek, dem Leiter der Abteilung Kriminalanalyse im Bundeskriminalamt (BK) und österreichischen Triathlon-Meister in der Langdistanz in der Altersklasse M55. Am Mittwoch steht eine Laufeinheit, am Samstag eine längere Radeinheit am Programm. Länger heißt für einen Sportler wie Marouschek auch wirklich länger: 20 Kilometer laufen, 100 Kilometer Radfahren.

Im Schnitt trainiert er 15 Stunden in der Woche. Vier Lauf-, drei Rad-, drei Schwimmeinheiten, dazu Rumpfstabilisation und Kraftkammer. Im Jahr kommt er auf knapp 700 Stunden. Dabei verbrennt er bei 300 geschwommen, knapp 10.000 gefahrenen und 2.400 gelaufenen Kilometern etwa 530.000 Kilokalorien. Das alles, um die magischen Grenzen im Triathlon zu erreichen: Am Anfang geht es darum, durchzukommen und zu "überleben", dann darum, das Ziel unter zwölf Stunden zu erreichen, und schließlich darum, unter zehn Stunden zu bleiben.

Redaktion: Mag. Paul Marouschek, warum Triathlon und warum die Langdistanz von Triathlon?

Marouschek: Triathlon hat mich schon immer interessiert, insbesondere die Langdistanz, das heißt 3.800 Meter schwimmen, 180 Kilometer mit dem Rad fahren und 42 Kilometer laufen. Ein Freund hat mich im Februar 2009 zu seinem Schwimmtrainer mitgenommen, und dann hat das Ganze begonnen.

Redaktion: Sport war schon immer ein Thema?

Marouschek: Ja, ich war Geräteturner, dann habe ich Handball gespielt in der Staatsliga B, dann war ich 13 Jahre lang sportlich nicht aktiv, bis ich 100 Kilo gewogen habe. 1997 habe ich mit dem Laufen begonnen, drei bis viermal die Woche, 1.500 Kilometer im Jahr. Die 100 Kilo waren dann schnell wieder weg.

Redaktion: Wie schnell waren die ersten Erfolge da?

Marouschek: Wenn man bei einem Triathlon ins Ziel kommt, ist das bereits ein Erfolg. Das ist mir zweieinhalb Monate später gelungen, bei der Halbdistanz in St. Pölten. Das heißt 1.900 Meter schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21 Kilometer laufen. Drei Monate später, im August 2009 habe ich in Podersdorf im Burgenland meine erste Langdistanz gemacht und bin ins Ziel gekommen. Bei diesem Wettkampf bin ich meinen ersten Marathon gelaufen, in einer Zeit von 3:59:57, und ich bin zum ersten Mal auf einem Straßenrennrad gesessen. Beim Schwimmen hat für mich nur gezählt, dass ich das überlebe, ohne Blick auf die Zeit. Ich hab für 1.900 Meter mehr als 43 Minuten und insgesamt 11 Stunden und 40 Minuten gebraucht.

Redaktion: Wie lässt sich das intensive Training mit Ihrer Position als Abteilungsleiter im Bundeskriminalamt vereinbaren?

Marouschek: Es ist ein große Herausforderung, das Training mit Familie, Freunden und Beruf in Einklang zu bringen. Eines lernt man dabei: Zeitmanagement. Mein Dank gilt vor allem meiner Familie und meinen Vorgesetzten/Arbeitskollegen, die Verständnis zeigen und mich bei allen Herausforderungen unterstützen.

Redaktion: Wie motiviert man sich?

Marouschek: Man sagt, dass gute Triathleten über den Winter gemacht werden. Motivation ist vor allem im Winter extrem wichtig. Man darf nicht zu viele Trainingseinheiten ausfallen lassen, das ist sehr schwer. Ich halte mir immer meine Ziele für das kommende Jahr vor Augen oder lasse schöne Erfolge Revue passieren. Ist es draußen zu kalt, zu glatt oder zu windig, trainiere ich mit dem Rad im Wohnzimmer auf der Walze.

Redaktion: Gibt es auch Zeiten des Zweifels?

Marouschek: Ja, die gibt es. Wenn man nur unter Schmerzen das Laufen trainieren kann, stellt man sich bei den anderen Trainingseinheiten schon mal die Sinnfrage. Heuer war ich ab April verletzt und hab erst drei Wochen vor Klagenfurt mit dem Laufen beginnen können. Da kommen einem starke Zweifel auf.

Redaktion: Auch während eines Wettkampfs?

Marouschek: Man merkt im Wettkampf beim Schwimmen schon nach den ersten Metern, ob es einem gut geht oder nicht. Man kennt sich und seinen Körper, man trainiert ja viele Stunden alleine. Die schlimmste Phase ist nach dem Radfahren, wenn ich merke, dass meine Oberschenkel machen, was sie wollen, und ich nicht weiß, wie ich mit dem Laufen beginnen soll. Das ist ein mentaler Hammer.

Redaktion: Was geht in einem vor, wenn man zehn Stunden oder länger auf der Jagd nach Minuten ist?

Marouschek: Während des Wettkampfes kommt es immer wieder vor, dass man seine Ziele verändern oder neu definieren muss. Einmal geht es einem besser, dann schlechter. Es können Probleme mit dem Magen auftreten, mit der Verdauung. Oder man stürzt mit dem Rad, bekommt einen Schlag auf die Nase beim Schwimmen, findet beim Wechsel die Schuhe nicht. Das alles sind immer wieder neue Herausforderungen, mit denen man sich auch während des Wettkampfes auseinandersetzen muss.

Redaktion: Was hat sich in Ihrem Leben verändert, seit Sie mit Triathlon begonnen haben?

Marouschek: Ich hab mich in diesen Jahren sehr verändert. Das sagen jene, die mit mir privat und beruflich zu tun haben. Ich bin ruhiger und gelassener geworden. Man kann beim Training viel nachdenken und reflektieren. Man kann das Nonsens-Denken zulassen, das ist wie eine Waschmaschine für das Gehirn. Aber in Wirklichkeit hat das Training mein ganzes Leben verändert. Meine Familie hat sich umstellen müssen, auch das ganze Umfeld, der Freundeskreis ändert sich. Der Tagesablauf dreht sich um 180 Grad, die Ernährung ändert sich, auch die Finanzen, weil das Ganze nicht billig ist. Das alles passiert Schritt für Schritt. Und je ambitionierter man trainiert, desto größer sind die Einflüsse auf das tägliche Leben.

Redaktion: Welche Ziele haben Sie für 2018?

Marouschek: Auf jeden Fall möchte ich meinen Titel verteidigen. Ich bin 5-facher österreichischer Meister in den Altersklassen M50 und M55. Und ich würde mich gerne in Klagenfurt für den Hawaii-Triathlon qualifizieren, da müsste ich zumindest Zweiter werden.

Redaktion: Haben Sie abschließend einen Tipp für die Kolleginnen und Kollegen?

Marouschek: Ich kenne ein paar Polizisten, die Triathlon ausüben. Bei denen ist das wie bei mir. Es ist wichtig, sich Ziele zu setzen und daran festzuhalten, das gilt auch für den Beruf des Polizisten. Man sollte einen Plan für sein Leben haben, nicht aufgeben und sich nicht unterkriegen lassen.

Zur Person:

Mag. Paul Marouschek kam im März 1984 zur Polizei. Nach der Dienstprüfung machte er zehn Jahre lang Dienst im Polizeiwachzimmer Am Hof in Wien. 1987 fing er mit dem Studium der Rechtswissenschaften an. 1994 kam er nach der Verwaltungsakademie in das damalige Wiener Sicherheitsbüro, wo er begann, eine Kriminalanalyseeinheit aufzubauen. 2000 wurde er in das neue "Projekt Bundeskriminalamt" geholt, wo er seine Arbeit in der Kriminalanalyse fortsetzte. Seit Oktober 2002 ist er als Abteilungsleiter zuständig für Kriminalanalyse.

Text: Reinhard Leprich

Links:

Paul Marouschek: Polizist und Triathlet.
©  Foto: Gerhard Lang

Artikel Nr: 15297 vom Dienstag, 14. November 2017, 07:10 Uhr
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