Bundeskriminalamt

Mit wem Täter künftig rechnen müssen

Er hat seine Wurzeln in Salzburg, wohnt in Niederösterreich. Er kämpfte jahrelang Schulter an Schulter mit einer Polizeilegende, beerbte diese am 1. Februar 2018: Andreas Holzer, neuer Leiter der Abteilung "Allgemeine und organisierte Kriminalität" im Bundeskriminalamt.

Sie kämpften jahrelang Schulter an Schulter an vorderster Front, klärten gemeinsam spektakuläre Kriminalfälle. "Ich habe das Büro für organisierte Kriminalität unter ‚ihm‘ geleitet, ‚er‘ die Abteilung – gemeinsam haben wir einige Fälle bearbeitet, die sehr öffentlichkeitspräsent waren, auch politisch heikel, die uns aber auch sehr zusammengeschweißt haben", sagt Mag. Andreas Holzer, seit 1. Februar 2018 der neue Leiter der Abteilung "Allgemeine und organisierte Kriminalität" im Bundeskriminalamt. "Und jetzt trete ich sozusagen ‚sein‘ Erbe an, was heißt, dass ich eine bestens geführte Abteilung mit rund 150 Kolleginnen und Kollegen übernehme, die wir jetzt so aufstellen, dass sie auch zukunftsfähig ist."

Holzer, 1993 in die damalige Bundesgendarmerie eingetreten, verheiratet, zwei Kinder, übernahm von Ernst Geiger, der unter anderem den Prostituiertenmörder Jack Unterweger überführte, die "Rammbockbande" verfolgte, oder die "Saliera" wiederfand, ein Tafelgefäß der Spätrenaissance des italienischen Bildhauers und Goldschmieds Benvenuto Cellini, die 2003 aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien gestohlen worden war. Geiger war mit Ende 2017 in Pension gegangen.

Holzer studierte Politikwissenschaft an der Universität Wien. Seine Diplomarbeit schrieb er über "Die internationale polizeiliche Zusammenarbeit zur Bekämpfung des Terrorismus und der organisierten Kriminalität innerhalb der Europäischen Union". 2003 war er drei Wochen lang beim United States Marshals Service (USMS) in Manhattan in New York, auf Long Island sowie in New Jersey. "Training-on-the-Job, um für meine bevorstehenden Aufgaben gerüstet zu sein." 2010 absolvierte er das "International Visitor Leadership Program" des U.S. State Department, das ihn drei Wochen lang zu den unterschiedlichsten Behörden quer durch die USA führte.

"Dieses Programm ist für künftige Führungskräfte zusammengestellt, normalerweise für ein Gruppe, ich bekam damals ein Programm, das nur auf mich zugeschnitten war", sagt Holzer. "Ich habe mir aussuchen dürfen, welche US-Behörden ich besuchen und welche Inhalte ich präsentiert haben wollte – eine einzigartige Erfahrung. Ich habe dabei Top-Führungskräfte bei FBI, DEA Justizministerium und Heimatschutz, aber auch von Universitäten und NGOs kennengelernt. Auf dieses Netzwerk greife ich immer noch zurück."

Holzer leitet seit zehn Jahren operative Projekte ausschließlich zur Unterstützung von internationalen Ermittlungsfällen, "von denen jedes eine nachhaltige Wirkung auf die Kriminalität in Österreich hat". Aufgrund dieser Projekte seien gegen Täter mehr als 1.500 Jahre Freiheitsstrafe ausgesprochen worden, ergänzt der Abteilungsleiter.

Fit für die Zukunft

"Ich habe bislang das Büro zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität im Bundeskriminalamt geleitet, neu ist die Vielzahl an Themen, für die ich nunmehr die Verantwortung trage", sagt Holzer. "Dazu gehören neben den Ermittlungen auch die Steuerungs- und Koordinierungsfunktionen – man darf nicht vergessen, von zehn Ermittlungsbereichen in den Landeskriminalämtern fallen acht in die Abteilung 3 im Bundeskriminalamt. Wir decken mehr als zwei Drittel ab, was das Kriminalitätsgeschehen in Österreich betrifft." Die Abteilung "Allgemeine und organisierte Kriminalität" habe sich unter anderem mit Mord, Raub, mit Eigentumsdelikten, dem Cold-Case-Management, mit Kinderpornografie oder Suchtmittelkriminalität, mit Menschenhandel, Schlepperei oder organisierter Kriminalität zu beschäftigen, ergänzt der Abteilungsleiter. "Ich sehe meine Aufgabe darin, weiter daran zu arbeiten, dass wir für die Zukunft gerüstet sind." Man dürfe dabei die neuen Technologien nicht außer Acht lassen, und die damit einhergehende Informatik, sagt Holzer. "Das alles bedarf aber immer einer fundierten Ermittlungsarbeit, der sogenannten ‚Old-School-Ermittlung‘".

Old-School-Ermittlungen

"Werden Drogen beispielsweise über das Darknet vertrieben, oder Dokumente, oder Waffen, ist es trotzdem so, dass diese Drogen, Dokumente oder Waffen an irgendeinem Ort produziert und konsumiert oder verwendet werden müssen", sagt Holzer. Dazwischen stehe das Tatmittel "Internet". "Wir müssen die Kompetenzen weiter haben, gegen diese Produzenten und Händler ermitteln zu können", erklärt der Abteilungsleiter. "Was bedeutet, dass wir die Fähigkeiten entwickeln müssen, mit der Technik zu gehen, Know-how und Best Practices von außen einzuholen oder aufzubauen, um schließlich im Rahmen einer fundierten Ermittlung gemeinsam mit der Justiz, die Köpfe dieser Strukturen, die im Hintergrund stehen, zur Strecke zu bringen." Da sei eben die Grundlage der Polizeiarbeit eines Kriminalbeamten gefordert, sagt Holzer. Eine Arbeit, die Maßnahmen nach der Strafprozessordnung nach sich ziehe, beispielsweise Telefon- oder Internetüberwachungen, verdeckte Ermittlungen und das Führen von Vertrauenspersonen, aber auch die enge Kooperation mit der Staatsanwaltschaft.

Wie schauen die Verbrechen der Zukunft aus?

"Ich glaube, dass wir als Polizistinnen und Polizisten, wie wir es auch schon in den vergangenen Jahren bewiesen haben, zunehmend flexibel sein müssen", sagt Holzer. "Wir müssen aus dem Deliktsbereichs-Denken herauskommen, müssen flexible Ermittlungsteams zusammenstellen, in der Ermittlung flexibel sein, und auch die Fähigkeit entwickeln, Know-how von außen einzuholen." Die Herausforderungen der Zukunft seien heute verschiedene Cybercrime-Delikte mit unterschiedlichen Ausprägungen. "Wir müssen so fit sein, dass wir wissen, wo die Kompetenzen in der Technik, in der Informatik liegen, und wir müssen dieses Wissen mit einer fundierten kriminalistischen Ermittlung paaren."

Gibt es den perfekten Mord?

"Der perfekte Mord würde gar nicht entdeckt oder als solcher eingestuft werden. Es ist aber so, dass ein Morddelikt sehr vielschichtig ist und immer irgendwo eine Auswirkung hat, am Tatort oder im Verhalten des Täters", sagt Holzer. "Mord verjährt nicht, die Technik entwickelt sich weiter, was jetzt unentdeckt ist, kann durch moderne Methoden möglicherweise später geklärt werden."

Was macht Tätern Angst vor der Polizei?

"Täter befürchten Überwachungsmaßnahmen", sagt Holzer. "Sie fürchten beispielsweise am Telefon abgehört zu werden, sie fürchten observiert zu werden." Täter seien in der heutigen Zeit sehr flexibel. "Sie treffen sich heute in Amsterdam, morgen in New York, übermorgen in Spanien, und haben dabei Angst, dass die Polizei auch so flexibel ist, das nachzuverfolgen. Und das sind wir mittlerweile." Auch den Verlust von Geld befürchten Täter. "Sie versuchen, lukrierte Vermögenswerte zu verschleiern und in den regulären Wirtschaftskreis einzubringen. Unsere Aufgabe ist, das zu verhindern."

Lernen Täter aus Serien wie CSI?

"Ich glaube, dass sie glauben, dass sie daraus lernen", sagt der Abteilungsleiter. "Es ist aber so, dass an einem Tatort immer Spuren hinterlassen werden. Wenn nicht als Tatortspur, dann als eine Spur im Verhalten noch am Ort des Gewaltverbrechens und danach." Dazu seien die österreichischen Kriminalisten bestens ausgebildet, sagt Holzer, sie bräuchten keinen Vergleich mit Kriminalisten aus anderen Ländern scheuen, inklusive mit FBI-Beamten. "Ich rede nicht nur von den Kriminalisten des Bundeskriminalamts und der Landeskriminalämter, ich rede auch von den vielen Polizistinnen und Polizisten in den Polizeiinspektionen – diese breite Basis ist unser Fundus, aus dem wir schöpfen können."

Text: Reinhard Leprich

"Ich sehe meine Aufgabe darin, weiter daran zu arbeiten, dass wir für die Zukunft gerüstet sind", sagt Abteilungsleiter Andreas Holzer.
Foto: ©  BMI/Gerd Pachauer

Artikel Nr: 15597 vom Montag, 19. Februar 2018, 15:10 Uhr
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