GEMEINSAM.SICHER

"Gemeinsam sicher in Gartenhütten": Eine GEMEINSAM.SICHER-Reportage

Schrebergarten-Siedlungen bei Mautern in der Steiermark, weit weg von überall. So weit weg, dass allein in den vergangenen Monaten 400-mal eingebrochen wurde. Ein Fall für Gerd Hornbacher, Polizist und Sicherheitsbeauftragter. Die Geschichte.

Ein Ärger ist das mit den Einbrüchen in Gartenhütten, und nur wenige wissen das so gut wie Gerd Hornbacher, Polizist in Mautern in der Steiermark. 400 in den vergangenen Monaten, im Bezirk Leoben und auch in Bruck/Mürzzuschlag. Seit Tagen und Wochen läutet das Telefon in der Polizeiinspektion. Die Menschen in den Schrebergärten brauchen Hilfe. Seine Hilfe, nicht nur seine. Und doch. Weil gerade er ihr Ansprechpartner ist, ihr Zuhörer, ihr Mann für Antworten, und weil er für sie, die Pächter der Schrebergärten, die auf der Suche nach Hilfe sind, einer der letzten Rettungsanker ist. Die Gartenhaus-Siedlung in seinem Rayon liegt weit weg von überall. Normalerweise in einer friedlichen Gegend am Fuß des Reiting-Massivs bei Kammern im Liesingtal. Rund 40 Gartenhütten, allein in elf wurde in jüngster Zeit eingebrochen.

Am 25. Juni 2021 stehen die Wolken hoch über den knapp 40 Dachgiebeln an der "Veitscher-Siedlung", der Landstraße, an der die Gartensiedlung liegt, aber nicht so hoch, dass man auch die Gipfel des Gößeck oder Klauen, den höchsten Erhebungen des Reiting-Massivs, erkennen könnte: Ein Zeichen für Regen. Das beeindruckt Gruppeninspektor Gerd Hornbacher nicht. Er ist Sicherheitsbeauftragter der Dienststelle Mautern in der Steiermark, "seit vielen Jahren", wie er sagt, "mit Leib und Seele", wie er sagt, "weil es seine Leidenschaft ist, Polizist zu sein", wie er sagt. Er stellt einen Heurigen-Tisch und eine Bank am Rand des Parkplatzes der Gartensiedlung auf, vor einer akkurat geschnittenen Zypressenhecke, platziert ein meterhohes GEMEINSAM.SICHER-Roll-Up. Alles transportiert auf seinem Pkw-Anhänger. "Horni", wie Schrebergärtner ihn rufen, ist bereit für das "Sicherheitsforum". Seit Tagen hängt eine Ankündigung am schwarzen Info-Brett am Eingang der Anlage. Vor zwei Wochen war er in Proleb, eine Woche davor in Seitz, zwei Nachbargemeinden. Da ist er unermüdlich, wenn es gilt, gegen diese Einbrüche anzukämpfen. Er drapiert den Tisch mit Info-Blättern, Broschüren, Sicherheitsalarmen und mehr – heute nicht allein. Inspektorin Annemarie Schmid begleitet ihn, hilft ihm. Eine junge Kollegin, die eine Woche später die Dienststelle wechseln wird, der Entfernung wegen: Statt 110 Kilometern nur mehr 40 Kilometer bis zur Dienststelle. "Ich finde Gerds Engagement im Rahmen der Initiative ‚GEMEINSAM.SICHER‘ sehr wichtig, zumal bereits zwei Einbruchserien fast geklärt werden konnten und ein Täter ermittelt werden konnte", sagt sie.

GEMEINSAM.SICHER in Gartenhütten

Das sei so gewesen, schildert Hornbacher. "Ich habe mich mit den ermittelnden LKA-Beamten und der Bevölkerung zusammengesprochen. Was heißt, dass einige Schrebergarten-Besitzer Wildkameras in Gärten aufgestellt haben und wir auf etwa 100 Fotos Täter ermitteln konnten." Eine Serie von 25 Einbrüchen konnte vom Landeskriminalamt geklärt werden. "Es war ein junger Alkoholiker, der nur Bier, Schnaps, Wein gestohlen hat." Von einer zweiten Tätergruppe seien vorerst nur Fotos bekannt. "Diese Täter, von denen wir noch nicht wissen, wie sie heißen, haben nur Flatscreens, Notstromaggregate, Kärcher, Rasenmäher, Motorsensen und Ähnliches gestohlen – kein Interieur." Da sei derzeit das LKA daran, Namen zu ermitteln. "Viele Gartenhütten sind leider gegen Einbruch nicht geschützt, und es wird Tätern sehr leicht gemacht, Gartengeräte oder elektronische Geräte zu stehlen", sagt Hornbacher.

Selbst Polizei-Skeptiker beeindruckt

Und so redet er mit den Menschen in der Gartenhaus-Siedlung, und verteilt Informationsblätter mit der Nummer seines Diensthandys. Das findet Gefallen. "Anfangs habe ich mich gefragt, wie das funktionieren kann, das mit ‚Sicherheitsforen’ und so, dann wurde ich eines Besseren belehrt – natürlich liegt das besonders an Horni, der Freund und Helfer für uns zugleich ist", sagt Baldur Kandl, seit vier Jahren Pächter eines Schrebergartens. Das Problem mit den Einbrüchen werde ja immer größer, sagt Franz Legenstein, seit fünf Jahren in der Gartensiedlung. "Es ist super, dass die Polizei jetzt immer wieder da ist und uns informiert." Alfred Kirchsteiger, normalerweise kein Freund der Polizei, wie er betont, zeigt sich vom Engagement des Polizisten dennoch beeindruckt. "Ich bin seit 13 Jahren hier, und diese regelmäßigen Informationen sind top. Ehrlich, das ist wirklich cool. Und ich hab‘ schon angefangen, meine Fenster und Türen mit Sperren zu sichern." Wenn man nur stationär wo stünde, würden zwar auch Interessierte kommen, aber eben nur ein geringer Teil, erklärt der Sicherheitsbeauftragte. Deswegen gehe er zu den Menschen, klopfe an die Eingangstüren und spreche sie direkt an. "Und dann entstehen Lösungsansätze oder Ideen, wie ich diesen Menschen helfen kann."

Hornbacher lernte von 1983 bis 1986 das Handwerk des Gendarmerie-Beamten. Er fing danach in Kammern an, kam 1993 nach Mautern, wechselte 1999 der Liebe wegen nach Niklasdorf. 18 Jahre lang, bis er 2018 wieder in die Polizeiinspektion Mautern kam. "Ich bin mit Leib und Seele Polizist, es ist meine Berufung, bin auch im Urlaub und in der Freizeit erreichbar", sagt der ehemalige Personalvertreter, der auch Jugend- und Gewaltprävention in Schulen macht. "Es gibt nichts Schöneres, als mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten", sagt er.

Oberst Karl Holzer, Bezirkspolizeikommandant von Leoben, sagt dazu: "Wie wichtig die Initiative "GEMEINSAM.SICHER ist, zeigt dieses Beispiel der vielen Einbrüche seit Dezember 2020 in mehreren Bezirken." Durch die Zusammenarbeit von Polizei mit Bürgerinnen und Bürgern seien Einbrüche nicht nur geklärt worden, es habe sich auch die Einstellung der Menschen geändert. "Viele Gartenhütten-Besitzer folgen den Empfehlungen der Kriminalprävention und von Gruppeninspektor Hornbacher, ihr Hab und Gut sicherer zu machen." Gerade jetzt sei die Initiative GEMEINSAM.SICHER wichtiger denn je, ergänzt der Bezirkspolizeikommandant.

Zusammenspiel mit Bürgermeistern und Gemeinden

"Ich kenne aus meiner Zeit als Kommunalpolitiker die Gemeindevorsteher in den Gemeinden und stehe in ständigem Kontakt mit ihnen", erklärt Hornbacher. "Allein in meinem Rayon habe ich vier Bürgermeister." Bei monatlichen Treffen in der Gemeinde, in einem Gasthaus oder an einem Hotspot werde über aktuelle Probleme gesprochen. Ein aktuelles Beispiel? "Derzeit beschäftigt uns ein Schrotthändler, der immer wieder als Parksünder anfällt, und es auch schon Vorführungsbefehle gibt – da bemühe ich mich zusammen mit dem Bürgermeister, eine Lösung zu finden", erzählt Gerd Hornbacher, der Polizist von Mautern in der Steiermark. Der weiß, was die Initiative GEMEINSAM.SICHER ausmacht. Er kennt ihren Wert für die Menschen. Und mehr noch: Der Polizist lebt diese Initiative.

(RGL)

Gerd Hornbacher im Gespräch mit einem "Schrebergärtner".
Foto: ©  BMI/Gerd Pachauer
Der improvisierte GEMEINSAM.SICHER-Stand im Eingangsbereich der Schrebergarten-Siedlung.
Foto: ©  BMI/Gerd Pachauer

Artikel Nr: 18831 vom Montag, 19. Juli 2021, 14:45 Uhr
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