Prävention

Sicher unterwegs in den Bergen

Im alpinen Raum kommt es immer häufiger zu Bergrettungen erschöpfter Wanderer durch die Alpinpolizei und Bergrettung. Diese Einsätze sind kosten- und ressourcenintensiv aber durch ein paar einfache Schritte leicht vermeidbar. Informieren Sie sich hier zur richtigen Planung von Wander- bzw. Bergtouren.

Das goldene Licht, die bunte Natur und angenehme Temperaturen locken im Herbst immer wieder Menschen aus allen Altersklassen zum Wandern auf den Berg. Immer öfter kommt es aber auch vor, dass Wanderer die Touren unterschätzen und aufgrund von Erschöpfung gerettet werden müssen. Die Anzahl der Rettungen, die auf Ausrüstungsmangel, Erschöpfung oder Verirren zurückzuführen sind, hat sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesteigert und zwar um rund 27 Prozent. Der Großteil der Geretteten kommt aus Deutschland (heuer 283) und Österreich (161), es folgen mit deutlichem Abstand Personen aus den Niederlanden (26). Dieses Jahr gab es beim Wandern beziehungsweise Bergsteigen insgesamt 344 Rettungsaktionen, die auf Ausrüstungsmangel, Erschöpfung oder Verirren zurückzuführen waren.

Diesen Negativtrend beobachtet auch der Präsident des Österreichischen Kuratoriums für alpine Sicherheit, Dr. Karl Gabl. "Viele Wanderer überschätzen ihre Leistungsfähigkeit und planen ihre Tour, ohne ihre Fitness und Kondition zu berücksichtigen. Das bereitet uns große Sorgen", erklärt Gabl. Kondition allein würde aber nicht ausreichen, um unfallfrei zu wandern. "Viele Unfälle ereignen sich, weil den Wanderern die Trittsicherheit fehlt und sie ihre eigenen bergsteigerischen Fähigkeiten überschätzen. Sie stolpern, rutschen aus und stürzen in der Folge ab", sagt Gabl.

Wie bereite ich mich richtig vor?

Oberst Hans Ebner ist im Innenministerium im Referat II/2/b (Sondereinsatzangelegenheiten) für den Alpindienst zuständig und gibt im Interview mit der BMI-Online-Redaktion Tipps zur richtigen Planung einer Wanderroute.

Was ist vor dem Start einer Wanderung zu beachten?

Wichtig ist eine entsprechende Tourenvorbereitung. Die passende Ausrüstung und vor allem die Planung der Bergtour sind wichtige Voraussetzungen, um vor unliebsamen Überraschungen gefeit zu sein. Viele Notfälle entstehen durch mangelhafte Vorbereitung der bevorstehenden Tour.

Wie plant man seine Route richtig? Welche Ausrüstung ist notwendig?

Zunächst ist es notwendig, sich die Tour genauer anzuschauen. In diversen Wanderführern oder auch auf Internetportalen lassen sich wichtige Informationen herauslesen, wie Schlüsselstellen der Tour. Weiters muss die Tour zeitlich richtig abgeschätzt werden. Wie viele Höhenmeter sind zu bewältigen? Hier gilt als Richtwert: 300 Höhenmeter im Aufstieg pro Stunde. Auch der Abstieg darf nicht vergessen werden. Die Länge der Tour muss auch auf die herrschenden Wetterbedingungen abgestimmt sein. Die notwendige Ausrüstung hängt vom Ziel und Charakter der Tour ab. Jedenfalls notwendig ist gutes Schuhwerk und passende Kleidung um auch einem Schlechtwetter trotzen zu können, ein kleines Erste-Hilfe-Paket für Notfälle. Ein aufgeladenes Mobiltelefon hilft nicht nur bei Selfies sondern auch bei eventuell notwendigen Notrufen.

Wie kommt man zu einer realistischen Einschätzung seiner eigenen Fähigkeiten und wie lässt sich Überforderung vermeiden?

Viele Bergsteiger überschätzen ihre eigenen Fähigkeiten, muten sich zu viel zu. Am besten, man bereitet sich schon vor dem Urlaub konditionell vor und beginnt dann in kleinen Etappen sich an die eigenen Grenzen heranzutasten. Lange, schwierige Touren gleich zu Beginn gefährden nicht nur die eigene Sicherheit, sondern schmälern auch den Erlebniswert.

Falls man sich in einer Situation befindet, in der man erschöpft ist und weder vor noch zurück kann, wie verhält man sich am besten?

Zunächst ist es wichtig, vorher jemanden über das Tourenziel zu informieren, z.B. Unterkunftgeber, Angehörige oder Freunde. Informieren Sie sich auch im Vorhinein über die aktuellen Notrufnummern, um im Bedarfsfall auch einen Notruf absetzten zu können. Günstig sind möglichst genaue Ortsangaben über den Notfallort. GPS-Koordinaten zum eigenen Standort erleichtern die Auffindung wesentlich.

Welche (finanziellen) Folgen kann eine Rettung durch die Einsatzkräfte haben?

Bodengebundene Rettungsaktionen werden üblicherweise von der Bergrettung abgewickelt, die ihre Kosten in Rechnung stellt. Wenn der Polizeihubschrauber oder Alpinpolizisten zum Einsatz kommen, wird bei grob fahrlässigem Verhalten des oder der Geretteten auch dieser Einsatz kostenpflichtig. Als Anhaltspunkt gilt: Schwere Ausrüstungsmängel, völlige Fehleinschätzungen der Tour oder der Verhältnisse oder wissentlicher Missbrauch des Notrufes werden in Rechnung gestellt.

Alpinpolizei mit Hubschrauber im Einsatz.
Foto: ©  LPD OÖ
Oberst Hans Ebner ist im Innenministerium im Referat II/2/b (Sondereinsatzangelegenheiten) für den Alpindienst zuständig.
Foto: ©  BMI/Wessheimer

Artikel Nr: 17276 vom Mittwoch, 11. September 2019, 14:53 Uhr
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