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Gedenkveranstaltung auf der Nationalen Gedenkstätte Gruppe 40 des Wiener Zentralfriedhofs
Am Wiener Zentralfriedhof wurde mit einer Gedenkveranstaltung an die Opfer der NS-Justiz und die Wiedererrichtung der Republik Österreich erinnert.
Anlässlich des Jahrestages der Wiedererrichtung der Republik Österreich veranstaltete das für Kriegs- und Opfergräberfürsorge zuständige Bundesministerium für Inneres gemeinsam mit der "Arbeitsgemeinschaft der NS-Opferverbände und WiderstandskämpferInnen" am 27. April 2026 eine Gedenkveranstaltung auf der Nationalen Gedenkstätte für die Opfer der NS-Justiz (Gruppe 40) auf dem Wiener Zentralfriedhof. Über 60 Besucherinnen und Besucher, darunter zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Kultur, Wissenschaft und der österreichischen Erinnerungslandschaft, nahmen an der würdigen Gedenkveranstaltung teil.
Staatssekretär Jörg Leichtfried nahm in Vertretung von Innenminister Gerhard Karner als höchster politischer Vertreter an der Veranstaltung teil. In seiner Ansprache unterstrich er die Bedeutung der demokratischen Werte unserer Gesellschaft. An ihnen gelte es, unabhängig von der Parteizugehörigkeit, in Zeiten globaler Polarisierung umso mehr festzuhalten, betonte Leichtfried.
Stephan Mlczoch, Leiter der für die Kriegs- und Opfergräberfürsorge zuständigen Abteilung für Historische Angelegenheiten im Bundesministerium für Inneres, zeigte anhand verschiedenster Beispiele, dass die Aufarbeitung der NS-Verbrechen auch mehr als 80 Jahre später weiterhin eine aktuelle Aufgabe ist. So wurde seitens des Innenministeriums vor wenigen Wochen ein neuer Grabstein für den Widerstandskämpfer Franz Zach in der Gruppe 40 errichtet.
Winfried Garscha, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der NS-Opferverbände, lobte die gute Zusammenarbeit mit dem Innenministerium und der Friedhöfe Wien GmbH. Dabei unterstrich er die Wichtigkeit, den politischen Widerstand gegen das NS-Regime auch im Schulunterricht verstärkt zu vermitteln. Die überparteiliche Arbeitsgemeinschaft setzt sich aus dem Bund Sozialdemokratischer FreiheitskämpferInnen, Opfer des Faschismus und aktiver AntifaschistInnen, der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich sowie dem KZ-Verband zusammen.
Besonders eindrucksvoll gestaltete sich der aktive Beitrag von Schülerinnen und Schülern des BORG Guntramsdorf. Gemeinsam mit ihren Lehrkräften setzten sie sich mit der Thematik von jungen Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfern auseinander. In Form von Briefen, die die Verurteilten vor ihrer Hinrichtung an ihre Angehörigen verfasst hatten, machten sie deren persönliche Geschichten hörbar und gaben den Opfern symbolisch ihre Stimme zurück.
Die Kranzniederlegungen wurden von Ehrenposten der Landespolizeidirektion Wien sowie der Wiener Polizeimusik begleitet. Zudem hatten alle Anwesenden die Möglichkeit, mit einer weißen Rose ein persönliches Zeichen des Gedenkens zu setzen.
Zum Anlass
Am 27. April 1945 erklärte die provisorische österreichische Staatsregierung – nur zwei Wochen nach der Befreiung Wiens durch die Rote Armee und noch vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs – die Unabhängigkeit Österreichs. Damit wurde die demokratische Republik Österreich in ihren Grenzen von 1937 und im Sinne der Verfassung von 1920 wiederhergestellt.
Auf der Gruppe 40 des Wiener Zentralfriedhofs sind neben Opfern der NS-Medizinverbrechen am Wiener Spiegelgrund auch mehr als 1.000 Menschen bestattet, die wegen ihres politischen Widerstandes gegen das NS-Regime hingerichtet wurden. Im März 2013 wurde diese Opfergräberanlage zu einer nationalen Gedenkstätte für die Opfer der NS-Justiz erklärt. Ihre Gräber fallen unter den Schutz der Kriegsgräberfürsorgegesetze von 1948 und sind somit dauerhaft und würdig zu erhalten. Diese historische Verantwortung wird vom Bundesministerium für Inneres in mittelbarer Bundesverwaltung durch die Friedhöfe Wien GmbH wahrgenommen.